Glaubenssätze

Was sind Glaubenssätze?

⁃ Glaubenssätze sind tiefe innere, nicht hinterfragte Überzeugungen, die fast immer in Form eines unterbewussten Monologes in uns wirken.

Beispiele für Glaubenssätze:
– sei artig und brav
⁃ Mädchen raufen nicht
⁃ Jungen weinen nicht
⁃ ein Indianer kennt keinen Schmerz
Weitere Beispiele für Glaubenssätze:

⁃ sei leise
⁃ sei unauffällig
⁃ das kannst du nicht
⁃ du musst immer alles geben
⁃ der liebe „Gott“ sieht alles
⁃ ehrlich währt am längsten
⁃ was sollen die Leute denken
⁃ Geld wächst nicht auf Bäumen
⁃ das Leben ist gefährlich
⁃ ich bin nicht gut genug
⁃ usw., usw.

Glaubenssätze werden von Eltern, Erziehungspersonen, Respektspersonen und Vorbildern weitergegeben. Glaubenssätze werden auch durch Selbstempfindung oder Selbstinfektion mit Worten erworben. Auch Sprichwörter lassen gelegentlich solche Überzeugungen entstehen wie z. B.

⁃ Schuster bleib bei deinen Leisten
⁃ nur wer Geld hat, wird Erfolg haben
⁃ der Teufel scheißt eh immer auf den dicksten Haufen
⁃ Arbeit schändet nicht
⁃ Arbeit ist das halbe Leben
⁃ aller Anfang ist schwer
⁃ alle Tage ist nicht Sonntag
⁃ das Leben ist kein Ponyhof
⁃ usw., usw.

Sprichwörter sind traditionell – volksfeindliche Aussagen, die ein Verhalten oder Zustand betreffen, oder zumeist eine Lebenserfahrung verallgemeinert darstellt.

Ein Sonderfall der Glaubenssatzbildung entsteht aus der Identifikation, sprich, aus dem Modell lernen, z.B. in der Familie.
Diese Sonderform der Glaubenssätze erzeugt Zustände in uns, die eigentlich nicht zu uns gehören. Sie werden auch Fremdgefühle genannt.

Beispiel:
Das Kind einer depressiven Mutter zu sich selbst:
„Um dir zu zeigen, dass ich dich liebe, bin ich auch so. Wenn ich nicht depressiv bin, verrate ich dich. Mir darf es nicht besser gehen als dir!“

oder

Das Kind einer Mutter ohne Selbstliebe, Selbstwert:
„Um dir zu zeigen, dass ich dich liebe, bin ich immer artig, nicht trotzig, weil dann bist du keine gute Mutter. Ich ordne mich unter, bin immer hilfsbereit.“

Das Kind stellt sich unbewusst vor die Mutter, passt sich an.

Das Kind eines schwer arbeitenden Vaters, der seinen Wert im Aussen sucht:
„Ich muss immer hart arbeiten, damit ich ein wenig Liebe und Anerkennung bekomme. Ich muss immer brav sein und nicht deinen Zorn erregen.“

Diese inneren Treiber oder Glaubenssätze sind gekoppelt an den früh erworbenen unbewusste Glauben darüber, welche inneren Überzeugungen innerhalb der Familie an diese Sätze gebunden sind.
Welche Konsequenzen könnten aus dem Nichtbefolgen dieser Glaubenssätze entstehen.

Beispiel: „Sei immer artig.“

Die vom Kind unbewusst gemutmaßte Bedeutung:
„Artig sein bedeutet: nicht widersprechen, den Geschwistern den Vorrang geben (so denkt Mama) und immer gehorchen (so denkt Papa). Wenn ich das nicht tue, haben Mama und Papa mich nicht mehr lieb und ich bekomme Arrest.“

Die Kraft und der Wahrheitsgehalt von Glaubenssätzen

Glaubenssätze sind mächtige Werkzeuge. Mit ihrer Hilfe werden unsere Wahrnehmungen gefiltert, klassifiziert und schließlich halbbewusst sprachlich in unserem Geist repräsentiert.
Wir entwickeln Glaubenssätze, wenn wir nicht wirklich wissen was geschieht z.B. „Erfolg hat man nur, wenn man viel und schwer arbeitet“ oder „Liebe tut weh.“

Durch Glaubenssätze ordnen wir unsere Welt in Bezug auf.

Ursachen: z.B. „Durch viel Arbeit wächst meine Anerkennung.“
„Durch Geschenke gewinne ich Liebe.“

Bedeutung: z.B. „Geld haben bedeutet angesehen zu sein.“
„Wenn ich geliebt werde, gehöre ich dazu.“

Identität: z.B. „Eigentlich verdiene ich keine Anerkennung.“
„Nur mit einem Partner an meiner Seite bin ich gesellschaftsfähig.“

Glaubenssätze unterscheiden sich auch noch in sofern, dass sie verschiedene Grundkonstruktionen aufweisen.

Glaubenssätze die einschränkend und eingrenzend sind. Diese werden zumeist in der Kindheit erworben.
„Man muss es allen recht machen, um nicht aufzufallen.“
„Konflikten geht man aus dem Weg, damit man nicht verletzt wird.“

Diese werden hinterfragt mit der Frage: „Wer sagt das?“

Glaubenssätze die sich aus Schlussfolgerungen ergeben.
„Fleiß zahlt sich in Erfolg aus.“
„Liebe bedeutet gefährliche Abhängigkeit.“

Diese lassen sich hinterfragen mit der Frage: „Ist das immer so?“

Glaubenssätze treten nicht einzeln auf, sondern in Clustern (Haufen), da sie sich aus bestimmten Lebenserfahrungen ergeben. Diese Lebenserfahrungen werden wiederum generalisiert und dann mit schon vorhandenen Glaubenssätzen in Verbindung gebracht. So entstehen diese sogenannten Cluster.
Diese Glaubenssätze erhalten ihr Konstrukt selbst aufrecht, indem sie Strategien entwickeln um äußeren sinnlichen Erfahrungen und inneren Vorgängen „im Menschen“ Konsistenz zu verleihen.

Hinderliche Glaubenssätze sind schwer erkennbar, da sie aus dem unbewußten heraus wirken. Sie sind ein Teil unserer unbewußten Programmierung.

In den ersten Lebensjahren ist unser Bewußtsein offen, d.h. Alle Einflüsse fließen ungehindert hinein, egal ob „gut“ oder „schlecht“ oder auch Empfindungen. Nach ein paar Jahren legt sich ein Deckel drauf und alle Empfindungen und Erfahrungen sind hier abgespeichert, unser Unterbewußtsein.. Das ist unsere Programmierung, die unbewußt unser Leben beeinflußt.
Egal, was wir erleben, welche Erfahrung wir machen, unser Unterbewußtsein schaltet sich mit ein und bewertet. Da es unbewußt ist, bemerken wir es nicht.

Ein Beispiel:

Einengende Überzeugung: „Ich bin nicht gut genug.“ Entstehung: Durch einen Vater, der seinem Sohn immer wieder sagte, er sei dumm. Er sagte, erfolgreich sein zu wollen, damit sein alter Herr stolz auf ihn sein könne. Aber es quälten ihn Schuldgefühle, die Verdruss hervorriefen, und er erlebte eine Misserfolg nach dem anderen. Sein Vater finanzierte ihm weiterhin seine Geschäfte, aber eins nach dem anderen wurde ein Fehlschlag. Er benutzte die Misserfolge, um es seinem Vater heimzuzahlen, indem er ihn für die Verluste aufkommen ließ. Aber natürlich war er selbst dabei der größte Verlierer.

Glaubenssätze, innere Programmierung ändern

Hinderliche Glaubenssätze und innere Programmierungen kann man ändern. Wir haben viel über Glaubenssätze gelernt und einige sind uns bewußt geworden.
Es ist an der Zeit einen Hausputz vorzunehmen.
Jetzt ist es an der Zeit, unsere Vergangenheit etwas genauer zu untersuchen und einige Überzeugungen zu betrachten, von denen wir uns bisher haben leiten lassen.
Dieser Teil des Reinigungsprozesses wird von einigen Menschen als äußerst schmerzhaft empfunden. Das muss nicht unbedingt so sein. Der Schmerz entsteht, weil wir uns schwer tun uns von diesen alten Glaubensmustern zu trennen, wir in unserem inneren ein Tauziehen veranstalten.
Doch wir sollten den Dingen ins Auge sehen, damit wir sie bereinigen können.

Wenn wir einen Raum gründlich sauber machen wollen, werden wir uns alles ansehen und entscheiden, ob wir etwas aufheben wollen oder uns von alten Dingen trennen.
Manches wird seit ewigen Zeiten nicht benutzt und es wird Zeit uns davon zu trennen. Sie nehmen nur unnötigen Raum ein und wir haben keinen Platz für etwas neues. Wir tennen uns liebevoll von diesen Dingen.
Genauso ist es,wenn wir unser geistiges Haus aufräumen. Wir müssen nicht wütend werden, nur weil wir alte Überzeugungen über Bord werfen, die uns hinderlich sind.Trenne dich genauso leicht von ihnen, als wenn du alte, ausgediente Zeitschriften in den Altpapiercontainer wirfst.
Wenn dir ein Gedanke oder eine Überzeugung nicht nützt, trenne dich davon! Es gibt kein Gesetz, das dir vorschreibt eine Überzeugung ewig beibehalten zu müssen, nur weil wir sie früher einmal für richtig hielten.

Übung

Eine Übung, um negative Botschaften in positive zu verwandeln.

Nehme dir ein Blatt Papier und schreibe auf der linken Seite die negativen Botschaften , Glaubenssätze, die dir einfallen auf.
Auf der rechten Hälfte formulierst du die negativen Botschaften in positive um.

Beispiel:

⁃ Ich bin nicht gut genug – Ich genüge immer

⁃ Ich bin es nicht Wert geliebt zu werden – Ich bin ein liebenswerter Mensch. Ich liebe
mich.

Diese positiven neuen Sätze sind die Affirmationen, die wir uns jetzt verinnerlichen und in unserem Bewußtsein verankern.
Sich von alten Glaubensmustern befreien bringt Freiheit!